TTIP & CETA: Mittelstand in Deutschland sieht mehr Risiken als Chancen

Prognos-Umfrage unter mittelständischen Unternehmen aus Deutschland veröffentlicht

Eine Umfrage von 800 deutschen UnternehmerInnen streicht erneut hervor, dass Klein- und Mittelbetriebe (KMU) akute Gefahren in den Handels- und Investitionsabkommen zwischen EU und USA (TTIP) sowie EU und Kanada (CETA) verorten.

Kaum steigende Exportmöglichkeiten, Risiken für den Mittelstand und Mangel in der Informationspolitik der großen Wirtschaftsverbände sind das Ergebnis einer repräsentativen Mitgliederbefragung des Bundesverbands mittelständische Wirtschaft (BVMW) durch das Forschungsinstitut Prognos, das heute in Berlin veröffentlicht wurde. Das Projekt fand in Kooperation zwischen BVMW und der Schöpflin Stiftung statt.

Vorteile nur für die Großen

57% der Befragten sehen Vorteile für große Unternehmen, wohingegen diese für den Mittelstand zu 62% negative Auswirkungen verorten. Für das eigene Unternehmen erwarten 35% sehr negative bzw. eher negative Auswirkungen, 43% keine und nur 12% positive Auswirkungen durch TTIP. 28% schätzen die mögliche neue Konkurrenz sogar als potenziell existenzbedrohend ein. Im Vergleich zur Gesamtstruktur der mittelständischen Unternehmen in Deutschland haben an der Umfrage überdurchschnittlich große mittelständische Unternehmen teilgenommen.

Keine besseren Exportchancen

66% der befragten Unternehmen gaben an, dass TTIP und CETA die Erschließung ausländischer Märkte nicht bzw. eher nicht vereinfachen würde; gerade einmal 16% erwarten hier positive bzw. eher positive Effekte.

»KMU gegen TTIP« fordert von der WKÖ Studie über Risiken von TTIP für KMU

Sehr viele Unternehmen beklagen ein als unzureichend empfundenes Informationsangebot. Dieses liegt sowohl an der nationalen Politik (76%) als auch an den klassischen Wirtschaftsverbänden (62%).

„Trotz der immer größer werdenden Kritik weigert sich auch die Wirtschaftskammer Österreich, die die Interessen aller österreichischen Unternehmen im Blick haben sollte, sich kritisch mit den Risiken für Kleinst-, Klein- und Mittelunternehmen durch TTIP zu beschäftigen. Stattdessen werden weiterhin die hypothetischen Vorteile dieser Abkommen propagiert. Die WKÖ muss endlich eine kritische Auseinandersetzung über die Gefahren für österreichische KMU durch TTIP beginnen“, fordert die Arbeitsgemeinschaft »KMU gegen TTIP«.

Die Ergebnisse der Umfrage im Detail finden Sie hier.

 

Hintergrund

Die Initiative »KMU gegen TTIP« – kleine und mittlere Unternehmen gegen die Transatlantische Freihandels- und Investitionspartnerschaft – wurde im Juli 2015 von sechs UnternehmerInnen aus Österreich gegründet*. Das Ziel der Arbeitsgemeinschaft ist die Aufklärung österreichischer KMU über die Auswirkungen von TTIP und CETA sowie der Aufbau einer starken Gegenöffentlichkeit zur vorherrschenden Kommunikationspolitik der Wirtschaftskammer Österreich, der österreichischen Bundesregierung sowie der Europäischen Kommission. Bereits über 2.250 UnternehmerInnen unterstützen die Initiative.

Mehr über die Initiative und unterzeichnen auf: www.kmu-gegen-ttip.at.


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